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Kulturgeschichte

Internationaler Tag des Bieres: Hopfen und Malz, Gott erhalt’s

Der 2. August 2019 steht im Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt ganz im Zeichen des gepflegten Hopfen- und Malzgetränks. Denn den jeweils ersten Freitag im August begehen Bierfans auf der ganzen Welt als Internationalen Tag des Bieres (engl. International Beer Day – IDB).

Bier war und ist ein beliebtes Getränk: 2017 wurden in Nordrhein-Westfalen 17,1 Millionen Hektoliter Bier konsumiert, nur in Bayern wurde in dem Jahr mehr getrunken. Bier liefert aber auch Einblicke in die Kulturgeschichte. Am Internationalen Tag des Bieres also ein Anlass für die Volkskundler beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zur Verkostung historischer Quellen. 

Bier blickt auf eine lange Tradition zurück: Im Atlas des niederländischen Geographen und Kartographen Gerhardus Mercator aus dem 16. Jahrhundert wird Bier als „der Tranck des gemeinen Volkes“, Wein hingegen als das Getränk der vornehmen Gesellschaft bezeichnet. Dort heißt es auch, die Bierqualität sei je nach Hersteller sehr unterschiedlich. „Bierbrauen war bis ins 20. Jahrhundert hinein Haus- und damit Frauenarbeit. Bier wurde in fast jedem Haushalt hergestellt“, erklärt Kathrin Schulte von der Volkskundlichen Kommission des LWL. „Dass die einzelnen Brauerinnen qualitativ sehr unterschiedliches Bier brauten, lag vermutlich daran, dass es in den Haushalten jeweils eigene Rezepte und Herstellungstechniken gab, die von der Mutter an die Tochter weitergegeben wurden.

Foto LWL-Volkskundearchiv

Auf Baustellen wurde, wie hier 1925 in Dortmund, gern die eine oder andere Flasche Bier geleert. Die Aufschrift auf dem Bild lautet: „Unser edles Maurerhandwerk lebe hoch“.
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Eine einheitliche Qualität anzustreben, wäre den Hausfrauen damals gar nicht in den Sinn gekommen. „Was für die Herstellung eines guten Bieres erforderlich war, darüber gingen die Ansichten auseinander. Ein Gewährsmann der Volkskundlichen Kommission aus Senden wies in den 1960er Jahren beispielsweise darauf hin, dass es überaus wichtig sei, einen geeigneten Zeitpunkt für das Brauen zu wählen. Als Eselsbrücke gibt er an, dass sich alle Monate, in deren Monatsnamen ein „r“ vorkommt, gut eigneten. Andernfalls „hält sich das Bier nicht, im März und April ist die richtige Zeit zum Brauen.“

Noch bis weit ins 20. Jahrhundert bekamen die Landarbeiter das selbstgebraute Bier, dessen Alkoholgehalt vermutlich unter demjenigen heutiger Biersorten lag, als Durstlöscher während der Ernte auf den Feldern. Doch nicht nur auf dem Feld, sondern auch auf dem Bau schmeckte der kühle Gestensaft: So berichtet die Besitzerin einer Doppelhaushälfte in Münster über die Dachdecker, die 1959 das Dach ihres Hauses erneuerten, dass sie nach getaner Arbeit Bier und Zigaretten von der Hausherrin bekommen hätten. Den Nachbarn, die es versäumt hatten, die Handwerker mit Bier zu entlohnen, brachten diese eine mit folgendem Spruch versehene Dachpfanne: „Hier steht der Bau in seiner Pracht, die Dachdecker haben ihn rot gemacht. Als alter Brauch u. Sitte, haben wir eine Bitte: Bier.“


Bier gegen die Branntweinpest


Beim Biertrinken auf dem Bau denkt man heute an Arbeitsunfälle und Alkoholismus. Dass Bier gerade in Hinblick auf eine Suchterkrankung zeitweise aber sogar als „Rettung“ angesehen wurde, mag da durchaus verwundern. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte sich das Trinkverhalten in breiten Bevölkerungsschichten drastisch verändert. Der Konsum von stärkeren Alkoholika wie Schnaps fand Einzug in die

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Dass Bier schon seit langem ein beliebtes und gesellschaftlich akzeptiertes Getränk ist, zeigt diese Atelierfotografie aus Tecklenburg, die um 1900 entstanden ist.
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Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung – mit zahlreichen negativen Begleiterscheinungen. Um der „Branntweinpest“ Einhalt zu gebieten, sah sich wie andernorts auch die Preußische Regierung in Berlin zum Handeln gezwungen. „Sie strebte die Verbesserung der Bierversorgung an, um den Schnaps zu verdrängen,“ berichtet Schulte. Zu diesem Zweck befragte man zunächst die Bürgermeister, wie es sich mit der Qualität des Bieres in ihrer Stadt verhalte. Auf die offizielle Anfrage der preußischen Regierung 1836 antwortete der Oberbürgermeister Münsters, Joseph von Münstermann, dass – zumindest in Münster – die Qualität des Bieres durchaus zufriedenstellend sei. Der übermäßige Konsum von Branntwein sei eher auf die geringen Preise für Schnaps und die vergleichsweise hohen für Bier zurückzuführen.

Aber nichts ist so gut, dass es nicht noch verbessert werden könnte: So brachte der Detmolder „Canzleirath“ J. C. Althof von einer Reise nach Bayern 1837 die Begeisterung für die dortige Braukunst mit und versuchte, dies auch in Westfalen zu etablieren. was ihm auch gelang: In vielen Orten braute man nun statt des obergärigen Bieres mit untergäriger Hefe – beispielsweise in der „Bair. Bier-Brauerei“ von A. Rolinck in Burgsteinfurt. 
Allerdings: Auch durch eine Qualitätsverbesserung des Bieres war der kostengünstige Branntwein nur schwer zu verdrängen: Um sich eine Vorstellung von den konsumierten Mengen zu machen, dient das Beispiel einer Hochzeitsfeier in Catenhorn bei Rheine (Kreis Steinfurt), wo die etwa 300 Gäste 1951 an zwei Tagen „10 Liter Likör, 125 Liter Schnaps, 670 Liter Bier – Rolinck, Burgsteinfurt, 100 Flaschen Wein“ konsumiert haben. (lwl)



Eine einheitliche Qualität anzustreben, wäre den Hausfrauen damals gar nicht in den Sinn gekommen. „Was für die Herstellung eines guten Bieres erforderlich war, darüber gingen die Ansichten auseinander. Ein Gewährsmann der Volkskundlichen Kommission aus Senden wies in den 1960er Jahren beispielsweise darauf hin, dass es überaus wichtig sei, einen geeigneten Zeitpunkt für das Brauen zu wählen. Als Eselsbrücke gibt er an, dass sich alle Monate, in deren Monatsnamen ein „r“ vorkommt, gut eigneten. Andernfalls „hält sich das Bier nicht, im März und April ist die richtige Zeit zum Brauen.“

Noch bis weit ins 20. Jahrhundert bekamen die Landarbeiter das selbstgebraute Bier, dessen Alkoholgehalt vermutlich unter demjenigen heutiger Biersorten lag, als Durstlöscher während der Ernte auf den Feldern. Doch nicht nur auf dem Feld, sondern auch auf dem Bau schmeckte der kühle Gestensaft: So berichtet die Besitzerin einer Doppelhaushälfte in Münster über die Dachdecker, die 1959 das Dach ihres Hauses erneuerten, dass sie nach getaner Arbeit Bier und Zigaretten von der Hausherrin bekommen hätten. Den Nachbarn, die es versäumt hatten, die Handwerker mit Bier zu entlohnen, brachten diese eine mit folgendem Spruch versehene Dachpfanne: „Hier steht der Bau in seiner Pracht, die Dachdecker haben ihn rot gemacht. Als alter Brauch u. Sitte, haben wir eine Bitte: Bier.“


Bier gegen die Branntweinpest


Beim Biertrinken auf dem Bau denkt man heute an Arbeitsunfälle und Alkoholismus. Dass Bier gerade in Hinblick auf eine Suchterkrankung zeitweise aber sogar als „Rettung“ angesehen wurde, mag da durchaus verwundern. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte sich das Trinkverhalten in breiten Bevölkerungsschichten drastisch verändert. Der Konsum von stärkeren Alkoholika wie Schnaps fand Einzug in die

Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung – mit zahlreichen negativen Begleiterscheinungen. Um der „Branntweinpest“ Einhalt zu gebieten, sah sich wie andernorts auch die Preußische Regierung in Berlin zum Handeln gezwungen. „Sie strebte die Verbesserung der Bierversorgung an, um den Schnaps zu verdrängen,“ berichtet Schulte. Zu diesem Zweck befragte man zunächst die Bürgermeister, wie es sich mit der Qualität des Bieres in ihrer Stadt verhalte. Auf die offizielle Anfrage der preußischen Regierung 1836 antwortete der Oberbürgermeister Münsters, Joseph von Münstermann, dass – zumindest in Münster – die Qualität des Bieres durchaus zufriedenstellend sei. Der übermäßige Konsum von Branntwein sei eher auf die geringen Preise für Schnaps und die vergleichsweise hohen für Bier zurückzuführen.

Aber nichts ist so gut, dass es nicht noch verbessert werden könnte: So brachte der Detmolder „Canzleirath“ J. C. Althof von einer Reise nach Bayern 1837 die Begeisterung für die dortige Braukunst mit und versuchte, dies auch in Westfalen zu etablieren. was ihm auch gelang: In vielen Orten braute man nun statt des obergärigen Bieres mit untergäriger Hefe – beispielsweise in der „Bair. Bier-Brauerei“ von A. Rolinck in Burgsteinfurt. 
Allerdings: Auch durch eine Qualitätsverbesserung des Bieres war der kostengünstige Branntwein nur schwer zu verdrängen: Um sich eine Vorstellung von den konsumierten Mengen zu machen, dient das Beispiel einer Hochzeitsfeier in Catenhorn bei Rheine (Kreis Steinfurt), wo die etwa 300 Gäste 1951 an zwei Tagen „10 Liter Likör, 125 Liter Schnaps, 670 Liter Bier – Rolinck, Burgsteinfurt, 100 Flaschen Wein“ konsumiert haben. (lwl)

Beitragsbild: abruellmann auf Pixabay




Wer hat den International Beer Day ins Leben gerufen?

Konkret geht der International Beer Day auf die US-Amerikaner Jesse Avshalomov, Aaron Araki, Tyler Burton, Ryland Hale, Evan Hamilton sowie Richard Hernandez und das Jahr 2007 zurück. Der Internationale Tag des Bieres findet jedes Jahr am ersten Freitag im August statt. Der Feiertag ehrt nicht nur das Bier, sondern auch die Menschen, die das Bier brauen und Servieren.

Ursprünglich als rein lokales Event in einer Bar in Santa Cruz im US-Bundesstaat Kalifornien gestartet, erfreut sich der IDB inzwischen einer weltweiten Beliebtheit. So können die Macher inzwischen auf Teilnehmer und Events aus über 200 Städten und Ländern auf allen sechs Kontinenten der Erde verweisen.

Darüber hinaus ist er natürlich die perfekte Ergänzung zu den zahlreichen, jeweils nationalen Bier-Feiertagen. Neben dem US-amerikanischen Nationalen Tag des Bieres (engl. National Beer Day) am 7. April sei an dieser Stelle exemplarisch auch auf den Tag des Deutschen Bieres am 23. April sowie die Tages des Bieres in Island am 1. März in Großbritannien am 6. April verwiesen.

http://internationalbeerday.com


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