Mata Hari
Ausstellung,  Geschichte

25. Juli 1917: Mata Hari zum Tode verurteilt

Sie war eine der schillerndsten Personen des frühen 20. Jahrhunderts: Als Tänzerin faszinierte Mata Hari das Publikum in noblen Nachtclubs in ganz Europa. Ihre Kontakte zu einflussreichen Männern machten sie für den Deutschen Geheimdienst interessant. Die Arbeit als Spionin wurde ihr schließlich zum Verhängnis: Am 25. Juli 1917 verurteilte ein französisches Militärgericht die damals 40-Jährige zum Tode.

Bis zum 13. Oktober erzählt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Geschichte Mata Haris in der aktuellen Ausstellung „Alles nur geklaut? Die abenteuerlichen Wege des Wissens“ im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in Dortmund. Das Todesurteil, Verhörprotokolle, Überwachungsberichte, Briefe, Postkarten und ein persönliches Album der Tänzerin sowie ein Parfumflacon sind in der Ausstellung zu sehen.

„Augen der Morgenröte“

Geboren wurde Margaretha Geertruida Zelle am 7. August 1876 im niederländischen Leeuwarden. Als 19-Jährige heiratete Greta den Kolonialoffizier Rudolf MacLeod und bekam mit ihm zwei Kinder. Doch die Ehe in Niederländisch-Ostindien, dem heutigen Indonesien, verlief unglücklich. Zurück in Amsterdam stand sie mittellos da, verdingte sich als Prostituierte und beschloss 1904 in Paris ein neues Leben zu beginnen.

Mata Hari, Foto: LWL

Postkarten von Mata Hari waren sehr beliebt und weit verbreitet. Als sensationell galt, dass sie sich während des Tanzens auszog und am Ende fast nackt auf der Bühne stand. Foto: LWL


Hier erfand Greta für sich eine neue Biografie: Fortan war sie die Tochter einer indischen Tempeltänzerin und nannte sich Mata Hari, malaiisch für „Augen der Morgenröte“. Sie tanzte in noblen Nachtclubs, auf Privatpartys und in renommierten Salons: in Paris, Wien, Monte Carlo, an der Mailänder Scala und kam mit Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft in Kontakt. Genau das machte sie für den deutschen Geheimdienst interessant“, erklärt Ausstellungkurator Dr. Georg Eggenstein.

Im Herbst 1915 trat Mata Hari in den Dienst des deutschen Geheimdienstes. Ihre Mission war es, von Paris aus Aufklärung über die nächsten Offensivpläne des Gegners zu betreiben, Reisen durch militärisch interessante Gebiete Frankreichs zu unternehmen und unter dem Decknamen „H 21“ mit der Agentenzentrale in der Deutschen Botschaft in Madrid Verbindung zu halten.

Einen Aufenthalt im Januar 1916 in Madrid verband die Spionin mit einem persönlichen Bericht an Militärattaché Arnold Kalle, der die Informationen per Telegramm an Generalkonsul Cremer in Amsterdam weiterleitete. Das war der Fehler, der Mata Haris Agentenkarriere beendete, bevor sie wirklich begonnen hatte, denn der britische Geheimdienst fing dieses Telegramm ab und warnte die französische Spionageabwehr vor Mata Hari.

Ausstellung "Alles nur geklaut-die abendteuerlichen Wege des Wissens"

Ausstellung „Alles nur geklaut-die abendteuerlichen Wege des Wissens“
Inszenierung zu Mata Hari in der Ausstellung „Alles nur geklaut?“. Im Vordergrund die Vitrine mit Dokumenten und einem persönlichen Album der Tänzerin, in dem sie Presseartikel und Plakate zu ihren Auftritten sammelte. Im Hintergrund das Kostüm, das die Schauspielerin Natalia Wörner im Spielfilm „Mata Hari – Tanz mit dem Tod“ (2017) trug.
Foto: LWL/Schütze


In die Falle getappt


Als die Agentin schließlich in eine Falle tappte, die der französische Geheimdienst ihr gestellt hatte, erfolgte die Festnahme. Das Militärgericht befand Mata Hari der Spionage für Deutschland und somit des Hochverrats für schuldig. Am 15. Oktober 1917, um 6.15 Uhr morgens, wurde Margaretha Geertruida Zelle nahe Paris von einem zwölfköpfigen Exekutionskommando erschossen. „Die Prozessakten sind erst seit Oktober 2017, also 100 Jahre nach dem Tod Mata Haris, zugänglich. Wir zeigen Originaldokumente und bieten an einer Hörstation die deutsche Übersetzung an“, erzählt Kurator Dr. Georg Eggenstein.


INFO ZUR AUSSTELLUNG 

23. März bis 13. Oktober 2019

Alles nur geklaut?


Die abenteuerlichen Wege des Wissens

Wir werden täglich von Informationen überflutet. Was ist wichtig, was wahr? Was gebe ich weiter, was behalte ich für mich? Der Umgang mit Wissen greift tief in die Gestaltung unserer Lebenswelt ein und spielt eine immer größere gesellschaftliche Rolle. Die Ausstellung „Alles nur geklaut?“ zeigt an Beispielen aus Geschichte und Gegenwart, wie Wissen geschaffen, geteilt und geschützt wird. Sie veranschaulicht damit die Entstehung der modernen Wissens- und Informationsgesellschaft. 

Auf 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche lernen Besucherinnen und Besucher Götter, Erfinder, Spioninnen und Whistleblower kennen. 3D-Hologramme erwecken historische Personen zum Leben. Das Spektrum der Exponate reicht vom 4.000 Jahre alten Scheibenrad über eine BH-Minikamera und die Verschlüsselungsmaschine Enigma bis hin zur elektronischen Fußfessel.

LWL-Industriemuseum Zeche Zollern
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
44388 Dortmund
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern, Dortmund



Ob Mata Hari überhaupt Gelegenheit hatte, entscheidende Informationen an die deutsche Abwehr weiterzuleiten, konnte damals nicht geklärt werden und ist bis heute umstritten. Gemäß den damals herrschenden Moralvorstellungen galt eine geschiedene Frau, die darüber hinaus noch entkleidet vor Publikum tanzte, als unsittlich. Der Urteilsverkündung ging dann auch ein Plädoyer voraus, das Mata Hari als äußerst zwielichtige Person darstellte: andere Sprachkenntnisse, zahllose Verbindungen, beachtliche Intelligenz und angeborene oder erworbene Sittenlosigkeit nur dazu beitragen, sie verdächtig zu machen. Ohne Skrupel und daran gewöhnt, sich der Männer zu bedienen, ist sie der Typ einer Frau, die zur Spionin prädestiniert ist.“


Beitragsbild:
Berühmt war Mata Hari für ihren Schleiertanz – hier zu sehen auf einer kolorierten Postkarte, um 1907. Ihr Stil war durch indonesische Tänze und Schmuck inspiriert.
Foto: LWL

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