Fassade Haus der Kunst, 2012, Foto Maximilian Geuter
Geschichte,  Museum

Haus der Kunst: Von Zensur bis Avantgarde


Propagandainstrument im Nationalsozialismus, Casino der amerikanischen Militärregierung, international renommiertes Ausstellungsinstitut – das Haus der Kunst hat eine wechselvolle, und ebenso bewegte wie belastete Geschichte. Am 18. Juli 1937 wurde es eröffnet. Die Geschichte des Haus der Kunst beginnt mit dem Glaspalast am Alten Botanischen Garten in München. Als das Gebäude in der Nacht zum 6. Juni 1931 durch einen Brand zerstört wurde, ging ein Kapitel Münchner Ausstellungsgeschichte zu Ende; die Brandursache konnte nie eindeutig geklärt werden. 3000 Kunstwerke wurden vernichtet, unter ihnen eine Sonderausstellung deutscher Romantiker.

Planungen des Bayerischen Kultusministeriums für ein neues Ausstellungsgebäude wurden durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten schließlich zu Fall gebracht. Adolf Hitler verlegte den Bauplatz vom Alten Botanischen Garten an den Südrand des Englischen Gartens und plante mit dem Neubau eines Monumentalgebäudes das erste architektonische Vorzeigeprojekt der NS-Propaganda.

Muenchen, Haus der Deutschen Kunst, Eroeffnung (Bundesarchiv Bild 183-C10092)

Nach seiner Eröffnung diente das Haus der Deutschen Kunst der Demonstration nationalsozialistischer Kunstpolitik und wurde zu deren maßgebenden Institution. Die hier jährlich veranstalteten „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ galten als wichtigste Werks- und Verkaufsschauen deutscher Kunst.

Nach dem Krieg richtete die amerikanische Militärregierung hier einen Officers’ Club mit Restaurant, Tanzsaal und mehreren Shops ein. Denn während die meisten Museumsbauten schwer beschädigt waren, war das Haus der Deutschen Kunst nahezu unversehrt geblieben. Im September 1949 eröffnete die von Ludwig Grote kuratierte Schau „Der Blaue Reiter“ mit ehemals verfemten Werken von Wassily Kandinsky, Franz Marc, Paul Klee, u.a.

Mit dieser Gedächtnisausstellung, die international große Beachtung fand, sei das ehemalige Haus der Deutschen Kunst entnazifiziert worden, so der damalige Staatssekretär Dieter Sattler in seiner Eröffnungsansprache. . „Der Blaue Reiter“ stand am Beginn einer Reihe von Ausstellungen, mit denen sich das nunmehr in Haus der Kunst umbenannte Museum der Moderne öffnete.

Muenchen Haus der Kunst Mittelhalle

München Haus der Kunst, Mittelhalle

Damit wurde das Haus der Kunst zum Gegenentwurf der Diffamierung der Avantgarde im Dritten Reich – eine Entwicklung, die bis heute mit zahlreichen wegweisenden Ausstellungsprojekten konsequent weiterverfolgt wurde.


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2016 konnte die Alexander Tutsek-Stiftung als neuer Hauptförderer des „Haus der Kunst“ gewonnen werden. Diese Förderung wird dazu beitragen, dass das „Haus der Kunst“ seinen innovativen Ansatz weiterhin verfolgen und ausbauen kann. Unter dem Motto „Renovate/Innovate“ befindet sich das Haus der Kunst derzeit in der Planungsphase seines umfassenden Bauvorhabens, das eine Renovierung und Sanierung des 24.000 Quadratmeter großen Gebäudes zum Ziel hat. Die Planung, mit der das international renommierte Architekturbüro David Chipperfield Architects beauftragt wurde, umfasst unter anderem die Integration des Westflügels, wodurch sich die Programmfläche auf ungefähr 8.000 Quadratmeter vergrößern wird. Dies wird neue Perspektiven für das Haus der Kunst eröffnen und die Gelegenheit schaffen, seine regionale, nationale und internationale Attraktivität weiter erhöhen. 

Quelle: https://hausderkunst.de/

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