Foto Bauhausgebäude Dessau Walter Gropius 1925-26 Südseite Copyright Tadashi Okochi (C) Pen Magazine 2010 Stiftung Bauhaus Dessau
Geschichte

Eine Idee erobert die Welt

Gegründet 1919 vom Architekten Walter Gropius in Weimar als „Staatliches Bauhaus“ wollte er nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs mit einer neuen Gestaltung alltäglicher Dinge einen neuen modernen Menschen prägen. 1925 zog die Hochschule unter politischem Druck nach Dessau um, 1932 nach Berlin. Dort wurde sie kaum ein Jahr später von den Nazis geschlossen. Mit dem Bauhaus wird 2019 eine der wegweisendsten künstlerischen Institutionen weltweit geehrt.

Die Moderne gestalten

Die katastrophalen Erfahrungen des Ersten Weltkrieges motivierten die Bauhäusler, das Leben, die Gesellschaft und den Alltag radikal neu zu denken. Sie negierten das traditionelle Wissen und bauten mit dem Bauhaus eine Hochschule auf, an der junge Menschen über das Lernen mit und am Material ihre künstlerische Kreativität entfalten sollten, um die Moderne in allen ihren Anforderungen zu gestalten. Dabei ging es weniger um das künstlerische Einzelwerk, sondern um Alltagsgegenstände, die in Zusammenarbeit mit der Industrie hergestellt werden sollten. Daraus entstand das Gros der bekanntesten Produkte und Bauten, die das Bild des Bauhauses bis heute prägen – von Marcel Breuers Stahlrohrmöbeln über Marianne Brandts Aschenbecher und dem Stahlhaus bis zum meistverkauften Erzeugnis: der Bauhaustapete.

Das Bauhaus als Ort der Avantgarde

Mitglieder der Bauhauskapelle, unbekannter Fotograf, 1930, Bauhaus-Archiv Berlin

Mitglieder der Bauhauskapelle, unbekannter Fotograf, 1930, Bauhaus-Archiv Berlin

auch Prellerhaus genannt, und trafen sich in der Mensa oder nutzten den Gymnastikraum. In den, nur wenige Meter entfernten, Meisterhäusern lebten hingegen die Meister mit ihren Familien. In der ersten Generation waren dies: Walter Gropius, Oskar Schlemmer, Georg Muche, László Moholy-Nagy, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky und Paul Klee. Zu ihnen gesellten sich oft Freunde und Gäste, so dass das Ensemble der Meisterhäuser zum Inbegriff der Künstlerkolonie des 20. Jahrhunderts avancierte.

Die Stadt als Auftraggeber

Mehrfach betraute die Stadt die Bauhäusler mit öffentlichen Bauaufgaben. So entstehen von Walter Gropius die Siedlung Dessau-Törten und das Arbeitsamt, von Hannes Meyer die Laubenganghäuser sowie von Carl Fieger das Ausflugslokal Kornhaus. Mies van der Rohe baut die kleine Trinkhalle an den Meisterhäusern.

Die drei Direktoren und die Schließung

Auch in Dessau war das Bauhaus nicht vor politischen Anfeindungen geschützt. Nachdem Walter Gropius 1928 die Leitung der Hochschule an Hannes Meyer übergibt, rückt dieser den sozialen Anspruch des Bauhauses in den Fokus. Ihm ging es vor allem um die Frage, wie gut gestaltete Produkte und Bauten so geschaffen werden können, dass sie für alle erschwinglich sind.

Porträt Walter Gropius, Foto: Louis Held, um 1922/23, Bauhaus-Archiv Berlin

Porträt Walter Gropius,
Foto: Louis Held,
um 1922/23,
Bauhaus-Archiv Berlin

Neben der Volkswohnung waren vor allem die Laubenganghäuser und die ADGB-Bundessschule in Bernau architektonische Beispiele von Meyers Idee einer kollektiven Gestaltung mit sozialem Anspruch. Unter Hannes Meyer radikalisierten sich die Studenten politisch und engagierten sich für den Kommunismus. Die Politik entließ daraufhin Meyer, der selbst Marxist war, im Jahr 1930. Walter Gropius selbst war es, der Ludwig Mies van der Rohe als dritten Direktor empfahl. Unter ihm wurde der Vorkurs abgeschafft und die Werkstattarbeit reduziert. Architektur, konstruktive Logik und räumliche Freiheit rückten in den Fokus.

In der Dessauer Stadtversammlung hatten inzwischen die Nationalsozialisten die Mehrheit erreicht. Am 30. September 1932 beschloss die Dessauer Stadtversammlung die Schließung der Hochschule für Gestaltung in Dessau. Ludwig Mies van der Rohe führte das Bauhaus noch für ein weiteres Semester in Berlin-Steglitz als Privatinstitut weiter, bevor er nach vielfachen Querelen mit den Nationalsozialisten am 10. August 1933 in einem Rundschreiben die Auflösung des Bauhauses bekannt gibt.

Die Rezeption der Bauhausidee weltweit

Trotz der Schließung der Schule haben sich die Ideen des Bauhauses weltweit verbreitet. Vielfach gingen die Bauhausmeister ins Exil und wurden wie zum Beispiel Josef Albers Professoren an

„Die Krankheit unserer heutigen Städte und Siedlungen ist das traurige Resultat unseres Versagens, menschliche Grundbedürfnisse über wirtschaftliche und industrielle Forderungen zu stellen.“

Walter Gropius

Nachfolgeinstitutionen wie dem Black Mountain College in North Carolina oder wie László Moholy-Nagy, der das New Bauhaus in Chicago leitete. Auch die Studenten, die aus 29 Ländern an das Bauhaus nach Dessau gekommen waren, verbreiteten die Ideen des Bauhauses in ihren Ländern weiter.

Die Bauhausarchitektur konnte sich über die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs sowie auch über die Zeit der DDR trotz teilweiser Zerstörungen erhalten. Die DDR entdeckt das Bauhauserbe erst 1976 wieder. Sie rekonstruiert das Bauhausgebäude denkmalgerecht und gründet das Wissenschaftlich-Kulturelle Zentrum (WKZ), das unter anderem den Aufbau der heutigen Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau initiiert und die Bauhausbühne reaktiviert. Nach der Wiedervereinigung wird im Jahr 1994 die Stiftung Bauhaus Dessau gegründet, die bis heute das Bauhauserbe in Form der Bauten, der Sammlung und der Vielfalt der Themen zu Architektur, Design und Kunst erforscht, erhält und vermittelt. Die Stiftung hat einen künstlerisch-wissenschaftlichen Auftrag, ihre institutionellen Förderer sind die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), das Land Sachsen-Anhalt sowie die Stadt Dessau-Roßlau.

Die Fortführung des Bauhauserbes in Dessau

Seit dem Jahr 1996 zählen die Bauhausstätten in Weimar und Dessau gemeinsam zum UNESCO-Welterbe.

Jährlich kommen etwa 100.000 Besucher aus der ganzen Welt nach Dessau, um die Bauhausbauten zu besichtigen sowie als Wissenschaftler, Architekten, Designer, Künstler oder Studenten hier zu forschen, zu arbeiten und künstlerisch tätig zu sein.

Text: Bauhaus Dessau
https://www.bauhaus-dessau.de/de/index.html

Beitragsbild:
Foto: Bauhausgebäude Dessau, Walter Gropius (1925-26), Südseite.
Copyright: Tadashi Okochi © Pen Magazine, 2010, Stiftung Bauhaus Dessau


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Nicholas Fox Weber: Die Bauhaus-Bande - Meister der Moderne

Nicholas Fox Weber, seit mehr als 40 Jahren das Gesicht der Albers Foundation, verbrachte viele Jahre mit Anni und Josef Albers, dem einzigen Künstler-Ehepaar am Bauhaus. Die Albers erzählten ihm ihre persönlichen Geschichten und beschrieben das Leben am Bauhaus mit ihren Künstlerkollegen und Lehrern, Walter Gropius, Paul Klee, Wassily Kandinsky und Ludwig Mies van der Rohe, sowie deren weniger bekannten Ehefrauen und Freundinnen. In dieser außergewöhnlichen Gruppenbiografie erweckt Weber die Bauhaus-Genies und die Gemeinschaft der wegweisenden Kunstschule in Weimar, Dessau und Berlin in den Zwanziger- und frühen Dreißigerjahren zum Leben.

Nicolas Fox Weber, Die Bauhaus-Bande, DOM Publishers 2018
38 Euro (Softcover)/ 48 Euro (Hardcover)

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